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Kein Geld - Kein Ehrenamt?

Marlene Balser
July 27, 2022

Letsact hat sich im Juni dem Engagementbereich “Senior:innen” gewidmet. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Das Alter oder Älterwerden sind Themen, mit denen ich mich selten auseinander setze. Doch umso früher, desto besser? Politisch gesehen, ja! Die Altersarmut steigt und immer mehr Menschen haben in ihrer Rentenzeit kaum Geld. Oft bleibt von den Jahrzehnten, die man hart gearbeitet hat, nicht viel übrig!

"Während es den heutigen Rentnern überwiegend gut geht, müssen zukünftige Ruheständler mit geringeren Einkünften rechnen. Altersarmut kann die Folge sein. Das einzige Mittel dagegen: rechtzeitig vorsorgen.“ (Quelle: ruv.de)

Viele Senior:innen finden mit Beginn der Rente Interesse am Ehrenamt. Viele Vereine sind abhängig von ihren ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen im hohen Alter. Doch es gibt immer weniger Rentner:innen, die ein Ehrenamt ausführen. Das liegt vor allem an der steigenden Altersarmut! Viele bekommen so wenig Rente, dass sie, solange es noch geht, sich Geld dazu verdienen. Dadurch verfliegt schnell das Interesse und vor allem die Zeit für ehrenamtliche Arbeit, die logischerweise kein Geld einbringt.

Auf der anderen Seite…

Wenn man die Verknüpfung von Ehrenamt und Rentner:innen von einer anderen Perspektive beleuchtet wird klar, dass auch Senior:innen auf ehrenamtliche Helfer:innen angewiesen sind. Es werden dauerhaft Menschen gesucht, die Zeit und Unterstützung für ältere Menschen aufbringen - ehrenamtlich. Für junge Menschen ist das Ehrenamt eine tolle Möglichkeit sich in einem, meist sozialen Bereich, zu entfalten, Kontakte zu knüpfen und sich zu engagieren. Nur ist auch das einfacher gesagt als getan: Oft fangen Jugendliche und junge Erwachsene neben der Ausbildung oder dem Studium schon an zu arbeiten, um sich das immer teurer werdende Leben zu finanzieren und so früh es geht in die Rentenkasse einzuzahlen. Da bleibt doch ebenfalls kaum Zeit, einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen. Und wenn es doch noch in den Zeitplan passt, betrifft das meistens Menschen, die von der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern profitieren können.

Junge Menschen zwischen 18 und 24 sind besonders von Armut bedroht.Ursachen für Jugendarmut sind: arme Eltern, wenig Unterstützung in der Schulzeit, kein Schulabschluss und bei Heimbewohner:innen, dass sie mit 18 plötzlich ganz auf sich allein gestellt sind. (Quelle: br.de)

Erkennst du den Teufelskreis? Senior:innen sind oftmals auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Oft bleibt es aber ein “First-World-Phänomen”, dieser ehrenamtlichen Arbeit nachzugehen, da man schon früh dafür sorgen muss, sich eine stabile Rente zu sichern. Und auf der anderen Seite gibt es kaum Senior:innen, die sich ehrenamtlich engagieren, da die Rente oftmals geradeso die Lebenskosten abdeckt und sich daher noch im Alter nach einem Minijob umgeschaut wird.

Ich schließe daraus, dass unser Staat die ehrenamtliche Arbeit vollkommen unterschätzt und diese politisch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Deutschland und die Gesellschaft profitieren eindeutig von den engagierten Menschen, da diese immer wichtige Aufgaben für das Gemeinwohl übernehmen. Ehrenamt sollte daher mehr thematisiert und selbstverständlicher in unsere Leben integriert werden. Außerdem sollte das Engagement jeder einzelnen Person mehr Wertschätzung erhalten. Gleichzeitig müssen aber auch die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, im Sinne von Raum, Zeit - und auch Geld.

Aber da gibt es ja noch uns! Letsact! Wir versuchen die oben erwähnte Selbstverständlichkeit durch unsere App umzusetzen. Deshalb haben wir einen schnellen und einfachen Weg geschaffen, einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen. Wir wollen das Ehrenamt für jede:n zugänglich machen! Unser Appell an die Politik ist daher, ehrenamtlicher Arbeit eine noch viel größere Stimme und Wertschätzung zu geben und den Nährboden für ehrenamtliche Arbeit zu vergrößern.
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Über den Autor
Marlene Balser

Marlene ist mit Freiwilligenarbeit aufgewachsen und weiß daher genau, wie wertvoll es sein kann, ein Ehrenamt auszuführen. Mit ihrem Studium der Politikwissenschaften verbindet sie eine Brücke zwischen politischen Themen und der ehrenamtlichen Arbeit, die sie auch mit in unsere Social-Media-Känale trägt.

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