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Fehlende junge Engagierte
Freiwilligenmanagement

Fehlende junge Engagierte

Wie Du Deiner Organisation helfen kannst, die junge Zielgruppe für euch zu gewinnen.

Charis Antolovic
Dec 12, 2021

Junge Menschen engagieren sich kaum und kümmern sich lieber um sich selbst? Falsch gedacht! 42 % der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland sind ehrenamtlich aktiv (vgl. Fünfter Deutscher Freiwilligensurvey 2019). Damit liegt die Engagementbeteiligung junger Menschen über dem Bevölkerungsdurchschnitt (39,7 %). Trotzdem sind sie eine hart umkämpfte Zielgruppe, denn junge Freiwillige sind körperlich fit, motiviert und zeitlich nicht so eingespannt wie vollzeitbeschäftigte Familienmütter und -väter.

42 % der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland sind ehrenamtlich aktiv.

In unserer letsact-Umfrage nannten 21 % der Organisationen "fehlende junge Engagierte" als Herausforderung bei der Gewinnung von Freiwilligen. Hier wird deutlich, dass das Problem kein Einzelfall ist. Und wenn Du das hier liest, geht es Dir und Deiner Organisation/ Deinem Verein vermutlich ähnlich. Deswegen soll es in diesem Blog-Artikel darum gehen, worauf Du und Deine Organisation achten könnt, um junge Menschen für euch zu gewinnen.

Die Zielgruppe verstehen

Bevor wir zu den Tipps kommen, ist es sinnvoll, die Zielgruppe zu verstehen. Wer sind überhaupt diese jungen Menschen? Was bewegt sie und wofür setzen sie sich ein? In der Sonderauswertung des Vierten Deutschen Freiwilligensurveys wurden 2017 die jungen Menschen in drei Gruppen unterteilt: 14-17 Jahre, 18-21 Jahre und 22-25 Jahre. Unter ihnen engagieren sich die 14- bis 17-Jährigen am häufigsten (53,8 %). Ebenfalls auffällig ist die hohe Engagementbeteiligung bei Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden mit anteilig rund 55 %.

Am häufigsten engagieren sich die jungen Freiwilligen in den folgenden drei Bereichen:

🏃🏻‍♀️ Sport und Bewegung (23,5 %)

⛪ Kirche oder Religion (10,1 %)

🏫 Schule oder Kindergarten (9,7 %)

Für ihr Engagement wenden über die Hälfte der Befragten (54,5 %) bis zu zwei Stunden wöchentlich auf, 26,7 % investierten drei bis fünf Stunden pro Woche und 18,9 % sogar sechs Stunden und mehr pro Woche.

Und was treibt die jungen Menschen an? Warum engagieren sie sich überhaupt?

Eine letzte wichtige Zahl:
Personen, die sich in den letzten zwölf Monaten nicht engagiert hatten, wurden gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in Zukunft eine freiwillige Tätigkeit aufzunehmen. Das kam dabei heraus:

Das heißt: Im Durchschnitt würden 40,5 % der jungen Menschen, die sich nicht engagiert haben, zukünftig ein Engagement übernehmen. Eine spannende Zahl, denn für Dich und Deine Organisation sind das potenzielle Freiwillige, die euch unterstützen können. Worauf solltest Du nun achten, wenn es darum geht, die junge Zielgruppe anzusprechen und in eurer Organisation zu halten?

1. Nutze jugendgerechte Kanäle📱

Wir wissen, dass zeitliche und personelle Ressourcen in Organisationen und Vereinen oft knapp bemessen sind, aber schau doch mal, ob ihr etwas Zeit in euren Instagram-Account investieren könnt. Denn: Junge Menschen erreicht man am besten da, wo sie viel Zeit verbringen und das sind heutzutage die sozialen Medien. In den Jugendhearings "Freiwilliges Engagement und Freiwilligendienste" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung kam ebenfalls heraus, dass sich junge Menschen mehr Informationen über freiwillige Engagementmöglichkeiten wünschen und das u.a. auf Instagram. Oftmals wissen sie nämlich gar nicht, wo sie sich engagieren können. Nutze dies und zeige ihnen wie cool ein Engagement bei euch sein kann. Nicht vergessen: Schau auch regelmäßig in euren Account rein, um keine Nachricht zu verpassen. Eine schnelle und gute Kommunikation ist das A und O.

2. Stelle eure Organisationskultur auf den Prüfstand 🔍

Haben junge Menschen Entscheidungsräume innerhalb eures Vereins/ eurer Organisation? Können sie sich einbringen und wirklich etwas verändern? Junge Menschen wünschen sich, mitgestalten zu können und sie wollen einbezogen werden. Vor allem möchten sie von Erwachsenen ernst genommen werden und Vertrauen entgegengebracht bekommen. Das zeigt auch das Diagramm oben: Junge Menschen möchten die Gesellschaft aktiv mitgestalten und nicht nur als passive Kraft ausführend wirken. Behalte dies also im Hinterkopf, wenn Du mit jungen Menschen über ihr Engagement sprichst und schaffe Räume für Meinungsaustausch und Partizipation.

3. Stärke eure Anerkennungskultur 👏🏽

Für ihr Engagement wünschen sich Jugendliche und junge Erwachsene Anerkennung aus ihrem direkten Umfeld. Persönliches Lob und Zuspruch spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Für Euch als Organisation bedeutet dies, Anerkunnungsformate anzubieten, die individuell passen und jugendgerecht sind. Dafür ist eine Kultur nötig, in der Dank und Wertschätzung zum Engagementalltag gehören. Junge Menschen wünschen sich aber auch Zertifikate als Nachweis ihrer Tätigkeit. Außerdem finden sie es wichtig, mit Erwachsenen das zu reflektieren, was sie in ihrem Engagement gelernt haben, um diese Fähigkeiten im späteren Beruf zu nutzen.

4. Schaffe passende Engagementmöglichkeiten ⏰

Junge Menschen sind in der Schule, Uni oder Ausbildungsstätte zeitlich sehr eingespannt. Mit Blick auf diese knappen Zeitressourcen ist es empfehlenswert, die zu erledigenden Aufgaben in Pakete zu teilen, die in ein bis zwei Stunden pro Woche erledigt werden können. So könntet ihr beispielsweise Tandem- oder Tridem-Teams für bestimmte Aufgaben oder Leitungsfunktionen einsetzen. Außerdem ist es sinnvoll, die Angebote spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Jungen Menschen ist es wichtig, innerhalb der freiwilligen Tätigkeit ihre Kompetenzen zu erweitern und etwas Neues zu lernen, aber auch Spaß zu haben. Am besten hältst Du regelmäßig Rücksprache mit den Freiwilligen, um zu schauen, ob ihr das Engagement gemeinsam noch besser anpassen könnt.

5. Prüfe Hybrid-Lösungen für das Engagement 💻

Jugendliche und junge Erwachsene sind es gewohnt, digital zu agieren und Dinge ortsungebunden zu erledigen. Deshalb bietet es sich an, Möglichkeiten des agilen Arbeitens zu nutzen, zum Beispiel Angebote von Aufgaben, die auch online erledigt werden können, sowie die Förderung einer besseren Vernetzung durch digitale Tools. Aber: Engagementmöglichkeiten, die ausschließlich digital stattfinden, sind für junge Menschen im Vergleich zu analoger Beteiligung bisher weniger attraktiv und für viele nicht vorstellbar. Ihnen fehlt dabei vor allem der persönliche Kontakt mit anderen. Stattdessen macht es Sinn, die freiwillige Tätigkeit durch digitale Plattformen und Dienste wie WhatsApp, YouTube und Instagram zu ergänzen. Insbesondere die einfache Vernetzung und Erreichbarkeit sowie der schnelle Zugang zu Informationen werden hier als Bereicherung für das Engagement gesehen.
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Wie Du siehst gibt es genügend junge Menschen, die sich engagieren und engagieren wollen. Jetzt liegt es an Dir und Deiner Organisationen, auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zu reagieren und diese zu kommunizieren. Wir hoffen, dass unsere Tipps Dir dabei helfen! Viel Erfolg! 👍🏼

ÜBER DEN AUTOR
Charis Antolovic

Charis ist unsere Ansprechpartnerin für Organisationen und Volunteers und sorgt dafür, dass diese "happy" sind. Deswegen schreibt sie auch so viele Artikel für die Akademie und den Blog: Sie möchte beiden Seiten einen Mehrwert bieten, Tipps geben und zu guten Taten inspirieren.