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Engagement im Wandel
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Engagement im Wandel

Wie Du und Deine Organisation auf die Veränderungen reagieren solltet

Charis Antolovic
Oct 5, 2021

Seit über 15 Jahren ist die Rede vom "Strukturwandel des Ehrenamts". Damit ist gemeint, dass sich die Einstellung zum Engagement in den letzten Jahren sehr verändert hat: Viele Menschen wollen sich nicht mehr auf Dauer an Organisationen oder Vereine binden, sondern ihr Engagement schon im Vorfeld zeitlich begrenzen. Teilweise schreckt sie der Gedanke ab, sich zu stark zu verpflichten und sich am Ende nicht mehr aus der Verantwortung ziehen zu können. Auf der anderen Seite ist der Wunsch nach Mitsprache, Mitgestaltung und Selbstverwirklichung viel größer. Auch deswegen bevorzugen sie häufig begrenzte Aufgaben, Themen und Projekte.

Viele Menschen wollen sich nicht mehr auf Dauer an Organisationen oder Vereine binden, sondern ihr Engagement schon im Vorfeld zeitlich begrenzen.

Erst einmal eine gute Nachricht: In unserer letsact-Umfrage zeigte sich keine Tendenz zu zeitlich begrenzten oder einmaligen Projekten. Das heißt, die Freiwilligen auf unserer Plattform können sich gleichermaßen vorstellen, ein regelmäßiges oder ein einmaliges Engagement zu übernehmen. Der Großteil der Befragten steht dem Ganzen sogar neutral gegenüber:

Antworten auf die Frage: "Inwieweit stimmst Du der folgenden Aussage zu? Ich engagiere mich lieber bei einem einmaligen Projekt als regelmäßig."

Diese Neutralität interpretieren wir so, dass die Freiwilligen keine Präferenz bezüglich der Engagementdauer haben und dass sie sowohl einmaligen als auch regelmäßigen Tätigkeiten offen gegenüber stehen. Trotzdem könnt ihr ein paar Dinge beachten, wie ihr eure Organisation besonders attraktiv für die Engagierten gestaltet:

1. Schafft zeitlich flexiblere Engagementformen ⏰

Uns ist bewusst, dass nicht jedes Engagement teilbar ist und in vielen Bereichen (z.B. im Pflege- und Betreuungsbereich) eine kontinuierliche Regelmäßigkeit eine wichtige Bedingung darstellt. Das trifft aber nicht auf alle Bereiche zu. Deshalb schaut doch mal, ob ihr in eurer Organisation Angebote mit zeitlich befristeter oder zeitlich begrenzter Mitarbeit schaffen könnt, die dann bei beiderseitigem Interesse später verlängert oder ausgedehnt werden können. Denkbar ist auch, dass ihr Aufgaben in Pakete teilt, die dann von mehreren Personen übernommen werden. Das bedeutet für die Freiwilligen einerseits nicht so viel Verantwortung und Zeitaufwand und stärkt andererseits gleich den Teamgeist. Die Zukunft liegt in diesen flexiblen Zeitmodellen, die einerseits den Anforderungen der Organisationen, andererseits aber auch den Wünschen der Engagierten entsprechen.

2. Führt eine Probewoche/einen Probemonat ein 🧐

Für potenzielle Freiwillige ist es viel entspannter zu wissen, dass sie sich die Tätigkeit erst einmal anschauen und etwas später entscheiden können, ob das Engagement wirklich etwas für sie ist. Eine Probewoche oder ein Probemonat nimmt diesen Druck und zeigt den Engagierten, dass sie in Ruhe in die neue Tätigkeit "hinein schnuppern" dürfen.

3. Keine Angst vor Veränderungen 😳

Wie oben beschrieben, möchten die Freiwilligen von heute mitgestalten und mitsprechen können. Sie wollen nicht nur starr Aufgaben erledigen, sondern ihr Engagement aktiv mitgestalten und wirklich etwas bewegen. Schafft deshalb regelmäßig einen Raum für Austausch und lasst auch Veränderungen zu. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil man sich von alten Denkens- und Verhaltensmuster trennen muss - und das kann beängstigend sein. Sehr oft zahlt sich aber genau das aus und am Ende fällt die "Ernte" sehr viel üppiger und reichhaltiger aus.

4. Kommuniziert Eure Stärken 🗣️

Ihr bietet schon flexible Zeitmodelle und Einsatzmöglichkeiten und ermöglicht Euren Freiwilligen viel Mitgestaltungsrecht? Trotzdem fehlen euch Engagierte? Eventuell liegt es daran, dass Ihr Eure Stärken und "Wettbewerbsvorteile" nicht kommuniziert. Wenn ihr etwas auf eurer Website veröffentlicht oder auf Social Media postet, versetzt euch immer in die Lage Eurer Zielgruppe: Welche Bedenken haben die potenziellen Freiwilligen eventuell? Und wie kann man diese zerstreuen? An dieser Stelle setzt ihr an und formuliert eure Inhalte genau so, dass Sie die Engagierten ansprechen und abholen.

5. Führt eine Abschiedskultur ein 🎁

Sollten zu Beginn eines Engagements keine klaren Absprachen über das mögliche Ende getroffen werden, fällt es den Freiwilligen oft schwer, sich ohne schlechtes Gewissen aus dem Engagement zu lösen. Manchmal führt das dazu, dass Aktive irgendwann einfach weg bleiben oder die Aufgaben einschlafen. Um das zu vermeiden empfiehlt es sich, direkt zu Beginn einen Zeitpunkt festzulegen, an dem über eine Auflösung oder Fortsetzung gesprochen wird. Das ermöglicht euch einerseits rechtzeitig einen Ersatz zu suchen und andererseits aus der Rückmeldung und Kritik zu lernen. Außerdem könnt ihr euch bei eurem ehemaligen Freiwilligen angemessen bedanken und verabschieden. Denn wer weiß: Vielleicht empfiehlt die Person das Engagement bei euch weiter und ihr bekommt tolle neue Aktive. 😉

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ÜBER DEN AUTOR
Charis Antolovic

Engagement ist für Charis ein echtes Herzensthema. Deswegen steht sie auch überzeugt hinter der Idee von letsact. Als Content- und Communications Managerin kümmert sie sich um die Inhalte auf der Website und versorgt unsere Community mit interessanten und inspirierenden Inhalten im Newsletter. Außerdem ist sie die Ansprechpartnerin für unsere Volunteers.