Wir von letsact durften Christoph von Habitat for Humanity ein paar Fragen zu seinem letzten Projekt in Sambia stellen. Christoph studiert Papiertechnik an der Hochschule München und obwohl sein Studium sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, engagiert er sich in seiner Freizeit zusätzlich noch für soziale Projekte.

Wie bist du auf das Sambia Bau-Projekt von „Habitat for Humanity“ in Afrika gestoßen? Was war deine endgültige Motivation?

Das war ein Zufall. Ich war damals in Australien für mein Praxissemester in einer Hygienepapierfabrik in Melbourne und habe eine Mail von Habitat for Humanity Australia bekommen. Darin war das Konzept dieser Hilfsorganisation beschrieben, was mir sofort gefallen hat, denn ich wollte schon immer etwas zurückgeben. Ich habe das Glück in einem reichen Land wie Deutschland geboren zu sein und kostenlose, hochwertige Bildung in einem geschützten Umfeld genießen zu dürfen. Des Weiteren wollte ich meiner Familie, die alle aus dem Maurerbereich stammen, beweisen, dass ich auch handwerklich was erreichen kann – ja, sogar ein Haus bauen. Afrika war schon immer in meinem Herzen und so konnte ich mir auch diesen großen Herzenswunsch erfüllen.

Wann, wie lange und was hast du dort gemacht?

Ich bin im September 2017 nach Sambia gereist. Das Projekt ging knappe 10 Tage. Am Anfang haben wir uns als Team erstmal kennengelernt und haben die dortige Kultur erfahren. Danach begann der Bau von 2 Häusern, worin 2 Familien mit Waisenkindern einziehen sollen. Die Hauptaufgaben waren das Mischen von Zement, Steine schleppen und verschiedene andere Handlangertätigkeiten. Einige von uns konnten auch Mauern, so dass wir mit den professionellen Maurern vor Ort schneller vorankamen. Nach etwa 3 Tagen standen beide Häuser und wir begannen, die Fenster, das Dach und die Türen einzubauen sowie den Boden zu verlegen. Das Haus hat 4 Räume und bietet genug Platz für eine 6-köpfige Familie. Am letzten Tag gab es eine große Übergabezeremonie mit traditionellen Tänzen und Klängen. Das Schöne an diesem Projekt ist, dass alle Häuser weiterhin betreut werden.

Was waren die Schwierigkeiten vor deinem Projekt? Wie hast du das ganze finanziert?

Natürlich habe ich mich in der Vorbereitungsphase meiner Reise mit den Gefahren eines solchen Vorhabens auseinandergesetzt. Ich selbst hatte dabei aber eigentlich keine größeren Schwierigkeiten. Anders war es mit vielen Freunden, mit der Familie und Bekannten. Viele verstanden nicht, warum ich sowas mache und mich freiwillig in Gefahr begebe. Von daher war viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig. Ich wollte diese Aktion nutzen, um Menschen wachzurütteln und ihnen klarzumachen, dass es auch noch andere Probleme als unsere gibt. Daher startete ich eine ziemlich große Spendenkampagne, wobei ich sogar fast das ganze Geld von ca. 1500 € sammeln konnte, wofür ich sehr dankbar bin.

Welchen Eindruck hast du dort gewinnen dürfen und was hat dich am meisten berührt?

Der erste Eindruck war krass. Hitze, Staub, sandige Straßen und viel Müll überall. Das ist schon eine ganz andere Welt. Gleichzeitig haben mich aber die Menschen und vor allem die Kinder am meisten berührt. Das Lachen, die Lebensfreude und der tiefe religiöse und familiäre Zusammenhalt haben mich tief beeindruckt. Obwohl diese Menschen fast nichts zum Leben haben, in Barracken hausen und jeden Tag um ihr Überleben kämpfen, scheinen sie zufrieden zu sein, solange sie zusammen sind und das Nötigste haben. Teil davon ist eine sichere Unterkunft, womit wir zumindest einen Teil dazu beitragen konnten.

Wie erging es dir danach? Planst du ein neues Projekt mit „Habitat for Humanity“?

Ich bin mit der großen Erwartung nach Sambia gegangen, um etwas Gutes zu tun und die Welt zu retten. Das konnte „natürlich“ nicht erreicht werden. Nach meiner Reise hat es mich sehr stark beschäftigt wieso die Menschen in Sambia, die wirklich nicht viel zum Leben haben, scheinbar so glücklich und zufrieden sind. Ich jedoch in einem der reichsten Länder der Welt lebe und alles habe, jedoch nicht zufrieden bin. Alles in allem stehe ich zu 100% hinter dem Projekt und möchte mich zudem nun als Teamleiter für das Nepalprojekt in Nepal 2019 engagieren. Wir suchen auch noch fleißig weitere Helfer. Mehr Infos dazu unter: https://www.hfhd.de/freiwilligeneinsatz-nepal-2019

Was möchtest du den Menschen da draußen ans Herz legen?

Ich habe unvergessliche Erfahrungen gesammelt, die ich nie wieder missen möchte. Natürlich waren nicht alle Erfahrungen positiv, doch dadurch hat sich mein Leben unglaublich bereichert. Ich möchte Menschen dazu sensibilisieren, sich Gedanken um andere Menschen zu machen. Es muss nicht jeder Häuser bauen. Es gibt viele tolle Dinge, um anderen Menschen zu helfen. Und dabei oftmals auch sich selbst.

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