"Was haben denn die Aktivsenioren auf letsact zu suchen ?“, werden sich so manche fragen, „ diese Plattform ist doch für junge Leute gemacht, die nach interessanten Projekten suchen, um sich ehrenamtlich zu engagieren“. Stimmt. Aber auch diese jungen Leute haben Eltern, Tanten oder Onkels, die vielleicht einen guten Tipp brauchen, wo sie sich für eine gute oder bessere Sache einbringen können. „Skills-based volunteering“ heißt das heute.

Fast könnte man glauben, die Aktivsenioren hätten das Drehbuch zum „Großen Bellheim“ geschrieben. In diesem ZDF-Kultfilm der frühen neunziger Jahre tun sich vier pensionierte Unternehmer noch einmal zusammen, um ein ins Schlingern geratenes Kaufhaus zu retten. Im wahren Leben hat eine kleine Gruppe von Ruheständlern vor 35 Jahren in München den gemeinnützigen Verein AKTIVSENIOREN BAYERN e.V. mit dem Ziel ins Leben gerufen, Existenzgründer bzw. kleinere Betriebe auf Flughöhe zu bringen oder sie in schwierigen Fahrwassern mit Rat und Tat zu unterstützen.

Der Verein hat mittlerweile über 400 Mitglieder, alles ehemalige Unternehmer, Selbstständige sowie Führungs- und Fachkräfte aus Wirtschaft und Verwaltung, die im Ruhestand ihre umfassende Berufs- und Lebenserfahrung ehrenamtlich und uneigennützig weitergeben um

  • junge Gründer mit den vielfältigen Anforderungen auf ihrem Weg ins Unternehmer-Neuland vertraut zu machen und sie bei der Businessplanung zu unterstützen.
  • kleinen und mittleren Firmen bei der Bewältigung ihrer Probleme die richtige Orientierung und damit Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.
  • jungen Menschen (Schülern und Studierenden) Hilfestellung auf dem Weg in die Arbeitswelt anzubieten, sie mit Berufsbildern vertraut zu machen oder auch im unternehmerischen Denken zu schulen.

Der größte Teil der Aufträge kommt über die Arbeitsagenturen oder Kammern sowie durch persönliche Empfehlungen zu den Aktivsenioren, die in allen bayerischen Regierungsbezirken präsent sind. Viele Aufträge resultieren aber auch aus den Sprechstunden, die die Aktivsenioren in den meisten Landratsämtern regelmäßig anbieten. Der gemeinsame Nenner ihres Handelns, nämlich Erfahrung und Wissen weiterzugeben, gilt auch für eine Reihe unterschiedlichster Bildungsprojekte, wie beispielsweise:

  • Berufsorientierungs-Gespräche mit Schülern der Abschlussklassen an bayerischen Mittelschulen
  • Erarbeitung von Geschäftsideen und Businessplänen mit Studierenden etwa an den Hochschulen in München und Nürnberg/Erlangen.

"Das Wissen und die Erfahrungen der Reiferen sind einfach viel zu wertvoll, als dass wir einen solchen Schatz ungenutzt lassen dürften“, betont der der Vereinsvorstand Reinhold Heiß im Münchner „Haus des Stiftens“. Bayernweit haben die Aktivsenioren allein im Jahr 2018 für über 550 Existenzgründungen gut 5200 Beratungsstunden aufgebracht. In die 48 gemeinnützigen Bildungsprojekte sind ebenfalls über 5000 Stunden investiert worden. „

Im Lauf der Jahre konnten rund 30.000 Existenzgründungen angeschoben, etwa 50.000 Arbeitsplätze erhalten oder neu geschaffen werden. Außerdem konnten wir für viele Mittelschüler eine passende Lehrstelle finden“, bilanziert Reinhold Heiss .

Kein Wunder, dass der Bedarf an solchen Angeboten und Leistungen steigt – gerade in bayerischen Landkreisen mit ihrer erfreulichen Wirtschaftsdynamik. „Wir bieten ehemaligen Unternehmern, Managern und Fachleuten, die im Ruhestand noch etwas leisten wollen, eine hervorragende Perspektive und das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden“ , sagt Otto Beck, Regionalleiter für München/Umland. Über die eigene „virtuelle“ Akademie sorgt der Verein für ständige Fortbildungsmöglichkeiten seiner Mitglieder – etwa auf den Gebieten Existenzgründung, Geschäftsmodell-Analyse, Digitalisierung , Pressearbeit oder Nachfolge. Schrittweise und im Team werden die „reifen Neulinge“ dann an die Aufgaben und Projekte herangeführt – immer mit Rücksicht auf die familiären, zeitlichen und gesundheitlichen Möglichkeiten im Rahmen eines solchen Ehrenamts.

Wie wertvoll ihr Beitrag ist, erfahren die bayerischen Aktivsenioren immer wieder dank zahlreicher Rückmeldungen zufriedener Klienten, sei es, weil die Gründung sich als erfolgreich erwiesen hat, sei es weil durch die nüchterne Bewertung unrealistische bzw. zu riskante, kostspielige Schritte vermieden worden sind.

Was die „neuen Bellheims“ besonders antreibt? „ Es ist die Weitergabe ihres Schatzes an Praxiswissen und know-how sowie die Freude am Gelingen“, unterstreicht Vereinschef Reinhold Heiss. Neuerdings werden die Aktivsenioren immer häufiger – wie zum Beispiel vom Landratsamt München – bei der Beratung von gemeinnützigen Vereinen hinzu gezogen.

Fazit: Unsere Eltern, Onkels, Tanten und sonstige Ruheständler haben sich den Tipp verdient, bei den AKTIVSENIVSENIOREN BAYERN e.V. mal vorbeizuschauen und dort anzuklopfen. Unter www.aktivsenioren.de