Eat the Seasons: Alles was du über eine regionale und saisonale Ernährung wissen musst

 

1. Juli 2019 von Julia Nolte

 

Eat the Seasons: Alles was du über eine regionale und saisonale Ernährung wissen musst

 

Hast du dir schon mal überlegt, dass du mit jedem Supermarkteinkauf "wählen" gehst? Denn mit jedem Lebensmittel, das in deiner Einkaufstüte landet, entscheidest du, ob dieses weiterhin produziert wird oder nicht. Klar wird nicht sofort ein Produkt aus dem Sortiment genommen, nur weil du dich dazu entschließt, die regionale oder Bio-Alternative zu kaufen. Auf lange Sicht hast du als Konsument jedoch einen großen Einfluss darauf, welche Produkte auf dem Markt bestehen und entscheidest gleichzeitig über die Nachhaltigkeit deines eigenen Lebensstils.

Erdbeeren im Dezember, Mangos und Ananas zu jeder Jahreszeit: Eigentlich können wir das ganze Jahr über die Obst- und Gemüsesorten kaufen, die uns am besten schmecken. Es ist ökologisch nicht besonders wertvoll, Erdbeeren im Dezember zu kaufen; das ist wohl den meisten von uns bewusst. Nur wie steht es mit Tomaten und Paprika im Januar? Oder Zucchini? Im Supermarkt erfährt man leider wenig über die Saisonalität von Gemüse oder Obst. Noch dazu ist es komplizierter als man denkt, saisonal einzukaufen. Äpfel als deutsches Obst beispielsweise werden die Wintermonate über eingelagert und sind deswegen eigentlich ganzjährig verfügbar; ein saisonales Lebensmittel würde man meinen. Nach monatelanger Lagerung können Äpfel jedoch mitunter eine schlechtere CO2-Bilanz haben als ihr neuseeländischer Kollege.

Wo kommt unser Obst und Gemüse eigentlich her?

Generell ist es viel aufwendiger, Gemüse und Obst außerhalb der Saison anzubauen: der Energie- und Wasserverbrauch ist ungleich höher, weil die Pflanzen in Gewächshäusern oder unter Folientunneln gezüchtet werden. Dabei wird 34 mal mehr Energie verbraucht als im Freiland. Die Alternative zum energieintensiven Anbau in Deutschland ist der Import aus europäischen Nachbarländern, in denen der Anbau von Obst und Gemüse um einiges billiger ist. Der Großteil unserer importierten Früchte kommt aus Spanien, Frankreich und Italien; Südfrüchte stammen meist aus Süd- und Mittelamerika. Der Selbstversorgungsgrad an Obst liegt in Deutschland damit bei nur 20 Prozent! Deutlich höher mit 46 Prozent ist der Anteil an aus Deutschland stammendem Gemüse, jedoch mit starken sortenspezifischen Schwankungen: drei Viertel von Kohl und Karotten stammen aus Deutschland. Der Großteil von Tomaten und Paprika wird jedoch importiert. Nicht-EU Länder spielen Gott sei Dank keine große Rolle beim Gemüseimport - dadurch sind die Transportwege nicht ganz so weit.

Was sind die Vorteile einer saisonalen Ernährung?

Es lohnt sich also auf jeden Fall, auf saisonale und regionale Kriterien beim Einkauf zu achten. Ein paar Vorteile haben wir hier aufgelistet:

  • indem du saisonal einkaufst schützt du das Klima, weil weite Transportwege per Flugzeug oder Schiff vermieden werden
  • Saisonware ist meist billiger, da große Mengen auf einmal auf den Markt kommen. Du schonst also auch deinen Geldbeutel wenn du dich nach den Jahreszeiten richtest
  • Stichwort Jahreszeiten: Wenn du dich mit den saisonalen Eigenschaften von Obst und Gemüse auseinander setzt, wirst du sie aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung viel intensiver genießen und wertschätzen können
  • wenn du saisonal einkaufst unterstützt du gleichzeitig regionale Bauern und Betriebe denn die Produkte werden meist in direktem Umkreis angebaut und verkauft
  • und nicht zuletzt: je kürzer die Lebensmittel gelagert werden und je reifer sie geerntet werden desto frischer kommen sie auch bei dir an — den Unterschied merkst du zum einen geschmacklich und zum anderen ist der Nährstoffgehalt regionaler Produkte um einiges höher

 

Wie kannst du also ganz konkret eine saisonale und regionale Ernährung in deinen Alltag integrieren?

Super sind Saisonkalender, z.B. von Utopia: Du kannst sie dir entweder für den jeweiligen Monat auf https://utopia.de/ratgeber/saisonkalender-fuer-gemuese-obst kostenlos herunterladen oder als fancy Küchenkalender auf der gleichen Website bestellen. Garantiert entdeckst du dadurch Gemüsesorten, die schon länger nicht mehr auf deinem Speiseplan standen. Oben findest du beispielsweise den Saisonkalender für April.

Super inspirierend sind auch folgende BloggerInnen und UnternehmerInnen, die sich für eine regionale und saisonale Einkaufs- und Ernährungsweise einsetzen.

The good food ist ein Ladenkonzept aus Köln, das sich ganz der Rettung von krummem Obst und Gemüse verschrieben hat. Dabei geht das Team selbst aufs Feld und macht die Nachernte: Gemüse, das entweder nicht abgeerntet wurde oder wegen Schönheitsfehlern nicht für den Verkauf geeignet ist wird gerettet und im Laden verkauft. Bei the good food kannst du also super frisches Gemüse zu einem Preis kaufen, den du selber festlegst. Ein sehr unterstützenswertes Konzept mit Vorbildfunktion finden wir!

Auf dem wunderschönen vegetarischen Foodblog von Krautkopf findest du Rezepte, die grundsätzlich aus saisonalen und regionalen Zutaten sowie aus auf Bauernmärkten erhältlichen Produkten bestehen. Seit einiger Zeit haben sie in ihrem Siedlerhaus auch einen eigenen Obst-, Gemüse- und Kräutergarten. Dieser ist auch Inspirationsquelle für neue Rezeptideen. Außerdem kannst du dich von den unglaublich stilvollen Bildern und kreativen Ideen von Susann und Yannic inspirieren lassen.

Bei Marktschwärmer Ehrenfeld hast du als Kölner Stadtmensch die Möglichkeit, regionale und qualitativ hochwertige Produkte einzukaufen. Anstatt im Supermarkt Etiketten und Herkunftsländer studieren zu müssen, um etwas über ein Produkt zu erfahren, kannst du bei den Marktschwärmern Produkte aus direkten regionalen Erzeugnissen kaufen und hast die Möglichkeit, die Produzenten hinter dem Produkt kennen zu lernen und Fragen zu stellen. Marktschwärmer gibt es übrigens in ganz Deutschland — du kannst Lebensmittel einfach auf der Website bestellen und im nächstgelegenen Laden abholen. Ein super Konzept wenn du nachhaltiger und bewusster mit Lebensmitteln umgehen möchtest!

Hinter Wildes Grün steht ebenfalls eine Kölnerin: Tine Knauft gibt Workshops über heimische Wildkräuter und Wildpflanzen — alles dreht sich um "heimische Superfoods" und wie du sie in deinen Speiseplan integrieren kannst. Generell sind ihr regionale und saisonale Produkte und Zutaten sehr wichtig und eine enge Zusammenarbeit mit Bio-Höfen in der Region.

Und nicht zuletzt stellen wir euch eine Münchner Gemeinschaft vor, das Kartoffelkombinat. Das Ziel dieser Vereinigung von über 1000 Münchner Haushalten ist es, ihr Gemüse vorwiegend selbst anzubauen und sich von industriellen Agrarstrukturen unabhängig zu machen. Dabei wollen sie eine Alternative zur aktuellen Wirtschaftsform darstellen und das zugrunde liegende Konsumentenverhalten kritisch hinterfragen. So sieht der Instagram-Account des Teams aus.

Es gibt wirklich viele inspirierende Blogs und Unternehmen, die die Vorteile von regionalen und saisonalen Produkten erkannt haben und auch verstärkt nutzen wollen. Durch kleine Veränderungen wie saisonaler einkaufen kannst du schon viel in Richtung persönlichen Klimaschutz tun. Im Supermarkt kannst du beispielsweise auf das Regionalfenster-Siegel achten. Hier wird die Herkunft, der Verarbeitungsort und der Anteil an regionalen Rohstoffen genau angegeben.

Bauernmärkte sind natürlich auch eine super Gelegenheit, regional und saisonal einzukaufen. Regionale und saisonale Ernährung ist aktuell sehr gefragt - man sagt sogar Regional ist das neue Bio. Deswegen kannst Du in den nächsten Monaten auf ein größeres Blog-Projekt zu dem Thema gespannt sein!

Wenn dich der Tatendrang gepackt hat oder Urban Gardening/ Regionaler Anbau genau dein Ding sind — auf letsact gibt es immer mal wieder Projekte zum Thema!

Quellen: